Funkensprühendes Feuerwerk: Nina Osina, die virtuose Geigerin aus Kassel, begeisterte beim ersten Klappstuhl-Konzert im Wald
Rotenburg. Als wären Vogelgezwitscher und Blätterrauschen nicht schon idyllisch genug,
bietet der Kultursommer Nordhessen noch einen anderen Grund für einen Waldspaziergang
an: Die Wald- und Wiesenkonzerte auf dem Hausberg der Familie Gerlach.
Auf einer Lichtung in der Nähe der Alheimerhütte eröffnete die Geigerin Nina Osina aus
Kassel am späten Samstagnachmittag bei bestem Open-Air-Wetter die neue Saison. Dr.
Sabine Töppel vom Kultursommer würdigte eingangs die „super Logistik“ vor Ort und dankte
den Sponsoren, darunter die EAM, die sich in hohem Maße finanziell für die Waldkonzerte
engagieren.
Auf ihren mitgebrachten Klappstühlen verfolgten über 30 Zuschauer eine Stunde lang ein
funkensprühendes Feuerwerk mit beachtlich technischer Brillanz der begabten Geigerin. Mit
lebhafter Dynamik interpretierte sie Werke von Benjamin Godard, Georg Philipp Telemann, P.
Vignetti und Eugène Ysaÿe. Sie vereinte Sinnlichkeit und Eleganz: sie meisterte ihr
Instrument und hinterließ einen Eindruck von Magie, von Freiheit und Lyrik.
Nina Osinas Spiel ist purer Klang, pure Energie. Die Telemann-Interpretation war ein
klingender Beweis dafür, dass die Telemann-Renaissance der vergangenen Jahre absolut
überfällig war.
Bei Eugène Ysaÿe hob sie vor allem das virtuose Erbe und die Klangtiefe des belgischen
Komponisten hervor. Es war eine perfekte Balance zwischen hochgespannter Intensität und
dem für Ysaÿe typischen, modernen wie romantisch schwelgerischen Klangideal. Sie
präsentierte hier eine ausgefeilte Technik und ihre große Affinität für diese herbe, aber auch
liebliche Musik, deren Charakter in Sekunden wechselte.
Jede Melodie, jeden Klang und jede Ausdrucksnuance gestaltete sie makellos und
überwältigte das Publikum mit einwandfreier Bogentechnik, die keinen Zweifel an ihren
außerordentlichen Fähigkeiten zuließ.
Langanhaltenden Applaus gab es am Ende für dieses Ausnahmetalent.
SUSANNE KANNGIESER
30.06.2026 HNA (Rotenburg)
Vielfarbiges Musik-Panorama in St. Familia
Kassel – „So farbig, dass selbst die Kirchenfenster neidisch werden“ – mit diesem
Versprechen eröffnete Martin Forciniti, Organist von Sankt Familia, den Abend vor
gut vierzig Besuchern. Doch wer unter „Bezauberndes Frankreich“ nur musikalische
Poesie erwartete, wurde überrascht. Nina Osina (Violine), Vera Osina (Klavier) und
Forciniti (Orgel) entfalteten ein Panorama von spätromantischer Tiefe bis zur expressiven Moderne.
In Debussys Violinsonate g-Moll lotete das Duo Osina eine Spannweite von ungestümer Leidenschaft bis zu traumverlorener Unruhe aus. Die traumwandlerische Sicherheit der beiden verband sich mit Vera
Osinas warmem und doch hochkultiviertem Klavierton. Nina Osina kostete den Tonraum mit sicherer Intonation und Flageolettfarben aus, während Vera Osinas
Klavier Glöckchen und Geläut evozierte.
Einen Kontrast bot Jean Françaix’ Sonatine: Hier regierte neoklassizistischer Witz. Filigran und schelmisch ließ Vera Osina das Klavier leuchten. Im Finale traf die unbeirrbare Linie der Violine auf
einen temperamentvollen Ritt des Klaviers.
Einen klanggewaltigen Szenenwechsel schuf Forciniti an der farbigen Simon-Orgel
mit César Francks Choral Nr. 2 h-Moll. Aus finsteren Basslinien und dunkler Gravität
entwickelte er ein chromatisches Leuchten – ein architektonisches Monument.
Den Höhepunkt bildete Francis Poulencs Sonate FP 119. Nina Osinas zupackender
Strich zeichnete ein Feuerbild der Emotionen. Die von Kindheit an gewachsene Verbindung der Schwestern wurde in jedem Einsatz spürbar – im Klagelied des Mittelsatzes ebenso wie im furiosen
Finale.
Ein klug konzipierter Abend, der Frankreichs klangliche Vielseitigkeit und das sensible Zusammenspiel der Künstler in Sankt Familias Akustik eindrucksvoll zur Geltung brachte.
CHRISTOF KRIEG
12. Mai 2026, Hessische Allgemeine
(Kassel-Mitte) / Kultur
Nina Osina als einfühlsame und brillante Solistin
Kassel – Erklingen Geigen in großer Zahl, sorgen sie für einen epischen Sound oder gleißende Dramatik. Dass auch eine Solistin das vermag, der Glaube daran war am Sonntag in
„Goethes Postamd“ offensichtlich klein. Dabei stand ein echter Leckerbissen an: Die in Kassel lebende russische Violinistin Nina Osina präsentierte einen Sonatenabend. Als Tochter einer
hochmusikalischen Familie bekam sie mit sechs Jahren Geigenunterricht. Anschließend ging es steil nach oben – mit Meisterklassen und Ehrungen.
Im langen schwarzen Abendkleid begrüßte Osina die Besucher und stellte zunächst Kompositionen und Komponisten ihres Programms vor. Zunächst Johann Sebastian Bach (1685-1750) und seine Sonata 2,
a-Moll BWV 1003. Der Höhepunkt im dritten Satz: „Der Geiger begleitet sich selbst.“ Spieltechnisch brillant und voller Hingabe meisterte Osina die Aufgabe.
Gleiches Lob gebührt ihr für die folgende Sonate op. 31 Nr.2 – „Es ist so schönes Wetter draußen“ des deutschen Komponisten Paul Hindemith (1895-1963), der wegen seiner sperrigen Kreationen einst
als Bürgerschreck tituliert wurde. Für Osina kein Problem. Lyrischer Zauber erfüllte den Saal. Extraapplaus gab es für die Variationen über „Komm, lieber Mai“ von Wolfgang Amadeus Mozart.
Zum Abschluss: Die Sonate Nr.1 Opus 27 des belgischen Komponisten und Violinisten Eugène Ysaÿe (1858-1931). Fazit: Ob Variationen, Fugen, Terzen, Takt- und Stimmungswechsel: Nina Osina
begeisterte das Publikum mit technischer Klasse und Einfühlungsvermögen. Ein volles Haus hätte sie verdient. Lautstarker Schlussapplaus.
Steve Kuberczyk-Stein
HNA, 14.02.2024
Schlüchtern, 16.08.2023
Nina Osina meisterte in Kaufungen anspruchsvollste Violinmusik
Kaufungen – Wäre sie eine Sportlerin, müsste sie für diesen Auftritt die Goldmedaille erhalten. Nina Osina beeindruckte am Montag mit anspruchsvollster Musik für Violine solo in der Kaufunger Stiftskirche. Das Motto: „Chaconnes – ein Abend zum Erinnern“.
Die Musikform Chaconne – ursprünglich ein Volkstanz – besteht aus Variationen über einer ständig wiederholten Bassfigur. Das berühmteste Werk jener Gattung entstammt Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 d-Moll. Nach der viel beachteten These der Düsseldorfer Violinpädagogin Helga Thoene komponierte Bach die Chaconne als Trauermusik für seine 1720 verstorbene erste Frau Maria Barbara. Ein klingendes Grabmal mit der monumentalen Weite von 256 Takten.
Nina Osina meisterte nicht nur Bachs Gipfelwerk, sie präsentierte noch drei weitere Stücke. Wie bei Bach gab es Doppelgriffe, Akkorde, mehrstimmiges Spiel – alles enorm fordernd.
Die Kasseler Geigerin, die aus der Wolgametropole Kasan stammt, spielte bewundernswert klar. Saubere Intonation – die Musikerin hat ein absolutes Gehör – traf auf präzisen Rhythmus und souveräne geistige Durchdringung. Sie ließ komplexe Werke so erklingen, als wären sie gar nicht so schwer.
Nach einführenden Worten eröffnete sie den Abend mit der Passacaglia – eine verwandte Musikform – von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704). Das war wunderschön, so meditativ wie sanft schwingend.
Anschließend bezwang Osina den Bach’schen Gipfel, um darauf zu demonstrieren, welche Echos der Meister aller Meister im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ausgelöst hatte. Die Chaconne op. 117/4 von Max Reger und die Ciacona op. 21 von Richard Barth rundeten das Konzert ab.
Besonders das Reger-Stück faszinierte als gedankenschwer-grüblerische Komposition. Osina trug hier auch dunkle Farben auf und erwies sich in ihrer konzentrierten Art überhaupt als ideale Interpretin für tiefgründige Musik.
Zuletzt bekam sie verdiente Standing Ovations.
Der Abend war Teil des landeskirchenweiten Benefizprojekts „Musik macht Mut“. Eine starke Idee, unterstützt das Projekt doch soloselbständige Künstlerinnen und Künstler wie Osina.
Georg Pepl, Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 27.10.2021
„Schmaler Grat“: In der Karlskirche wurde die Reihe „drei in eins“ fortgesetzt
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Kassel – Musik, Kunst und Sprache werden bei der vom Evangelischen Forum Kassel initiierten Reihe „drei in eins. Drahtseilakt“ verbunden – am Sonntag unter dem Titel „Schmaler Grat“. Mit Zeilen aus dem „Seiltänzer“, einem Gedicht des Schweizer Schriftstellers und Pfarrers Kurt Marti, eröffnete Pfarrer Uwe Jakubczyk die Veranstaltung: „Seiltänzer fußt Fuß auf wenig. Fußt fast auf nichts. Setzt Fuß hoch über den Köpfen“, heißt es da.
Leichtfüßig kam das bei Jakubczyk rüber. Ein unterhaltsames Spiel mit Worten, die doch viel zu sagen haben. Ihm zur Seite: die exzellenten Musikerinnen Nina Osina (Violine) und Ji-Youn Song (Klavier) – sehr konzerterfahren und, wie der Abend zeigte, offen für eine Musik, die nicht auf verträumte Kompositionen setzt, sondern auf Lautmalereien, auf experimentelle Klänge und Minimal Music. Bei einem Werk der Russin Sofia Gubaidulina („Der Seiltänzer“), das neben Kompositionen von Tom Johnson und György Kurtag auf dem Programm stand, kam das zum Tragen, viel mehr aber noch bei Alfred Schnittkes „ Sonata No.2 – Quasi una Sonata“ (1968).
Wer melodische Musik mag, war in der Karlskirche nicht richtig. Die Klangbilder verwoben schreiende Toncollagen, enorme Wucht und schräge Brüche. Ein Rausch der Töne füllte die Kirche. Von den knapp 70 Besuchern kam dennoch großer Applaus. Gut auch die Idee, Musik und Texte, die von Jakubczyk mit viel Charisma und bisweilen auf einem Stuhl stehend vorgetragen wurden, zu verzahnen. Auf Text folgte Musik. Jakubczyk zitierte auch aus der Bibel. Prediger 3 hatte er sich ausgesucht: „Für alles gibt es eine Zeit.“
Über allem schwebte die an der Decke befestigte Installation von Stephanie Imbeau –eine Collage aus Pappkartons. „Shifting Security“ (wandelbare Sicherheit) nennt sie ihre Installation: „Es ist eine Antwort auf die tiefe Resonanz, die Künstler finden zwischen dem, was unter und über dem Boden der Karlskirche ist.“ Lautstarker Schlussapplaus.
HNA, 26.09.2021