Nina Osina
Nina Osina

17.Februar 2017 um 18 Uhr

Solitude I

Musik für Violine solo

 

Kompositionen von Iwan J. Chandoschkin, Eugène Ysaye, Luciano Berio

 

Ev. Erlöserkirche Harleshausen

Gemeindesaal

Iwan Chandoschkin, * 1746 oder 1747 in St. Petersburg, gest. 1804 ebenda, fiel in bereits in frühem Lebensalter durch eminente Befähigung auf. Ein Stipendium aus adligem Hause ermöglichte dem jungen Hochbegabten eine Reise nach Italien, wo er seine Fähigkeiten mutmaßlich unter Ägide von Giuseppe Tartini (1692 – 1770) ausbaute. Man verglich ihn bald mit bedeutenden Virtuosen seiner Zeit, etwa Giovanni Battista Viotti, Nicoló Mestrino und Anton Ferdinand Ditz. Manche nannten ihn den russischen Paganini. 1785 aus der Leibeigenschaft entlassen, war er zunächst Mitglied, sodann Konzertmeister des St. Petersburger Hoforchesters und wirkte zugleich als Kammermusiker am Hofe Katharina der II. Seine drei Sonaten für Violine solo, darunter die Sonate in g-moll, Opus 3 Nr 1, komponiert in den neunziger Jahren des 18. Jh., gelten als ein früher Höhepunkt russischer Kammermusik.

Luciano Berio (1925 - 2003) schrieb seine diversen "Sequenze", also Sequenzen oder Abfolgen, in der Zeit von 1958 bis ca 2002 für jeweils eines der unterschiedlichsten Instrumente wie auch für eine Frauenstimme und gab ihnen Zitate aus der Dichtung Edoardo Sanguinetis (1930 – 2010) bei, mit dem er verschiedentlich zusammengearbeitet hatte. Berio gilt als Neuerer, der als Komponist unverbrauchte, dem Übermaß der Konventionen entborgene Formen entwickelte und daraus Folgerungen für die instrumentale Spielpraxis zog. Er bescheinigte - in seinen eigenen Worten - den besten Solisten unserer Zeit Modernität in Sachen Intelligenz, Sensibilität und Technik und erwartete von ihnen eine Virtuosität, die sich weder in manueller Fertigkeit noch, wie er es nannte, philologischem Spezialistentum erschöpft. Und bei aller Distanz zum Kanon des Überkommenen gelte es, so Berio, das "Erbgut eines Instrumentes" zu respektieren anstatt es gegen seine eigene Natur einzusetzen.

Eugène-Auguste Ysaÿe (1858 – 1931) beschäftigte sich intensiv mit den Kompositionen für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Zum Kern seines Repertoires als Instrumentalist gehörte bspw. die Chaconne in d-Moll. Unter dem tiefen wie unmittelbaren Eindruck eines Konzertes seines renommierten Kollegen Joseph Szigeti, der Werke von Bach vorgetragen hatte, entstanden 1923 und 1924 seine Sechs Sonaten für Violine solo. Sie gelten vielen als ein Echo der Moderne auf die Musik von Bach und ihre weitreichenden Folgen für die musikalische Sprache und das Repertoire der Violine. Ysaÿe widmete die sechs Piècen verschiedenen Virtuosen der neueren Generation: Szigeti, Thibaud, Enesco, Kreisler, Crickboom und Quiroga und ihren unverwechselbaren Temperamenten. Ergebnis ist eine bemerkenswerte Variationsbreite, die Eleganz und Witz ebenso offenbart wie Strenge und lyrische Sanftmut. Repertoire und Ausdrucksvermögen dieser Interpreten gingen dabei über die heutige Wahrnehmung hinaus, soweit jene sich allein an den Sonaten orientiert, die Ysaÿe in Verehrung ihrer Persönlichkeiten und ihres Könnens komponiert hatte.

Michael Vorwerk © 2017 (Anmerkungen zu Eugène Ysaÿe unter Zuhilfenahme eines Textes von Norbert Gertsch)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Nina Osina