Nina Osina
Nina Osina

26. Juli 2019 um 18 Uhr

Trioabend - Deutschland - und Drei-Gänge-Menü

 

Viviana-Zarah Baudis, Klavier

Nina Osina, Violine

Johannes Raab, Violoncello

 

Robert Schumann  Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63

Johannes Brahms  Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87

 

(€80,- pro Person inkl. Aperitif, Konzert und Drei-Gänge-Menü)

Schumanns d-Moll-Trio ist ein Geburtstagsgeschenk für seine Frau Clara. Nach dem ersten Durchspielen schrieb sie in ihr Tagebuch: „Es klingt wie von einem, von dem noch vieles zu erwarten steht, so jugendfrisch und kräftig, dabei doch in der Ausführung so meisterhaft... Der erste Satz ist für mich einer der schönsten, die ich kenne" – und es ist einer der leidenschaftlichsten; eine Operation am offenen Herzen, in der alle Nuancen des Pathos offengelegt sind: Erregung und Schmerz, Ekstase und Verzweiflung, Trotz und Überschwang. Schumann schrieb das Trio - es ist sein erstes großes Werk dieser Gattung - im Sommer 1847 „in einer Zeit düsterer Stimmungen“. Seine Karriere als Musiker stockte, die Hoffnungen auf einen guten Posten in Leipzig hatten sich zerschlagen und resigniert war Schumann mit seiner Familie nach Dresden gezogen. Er empfand es als demütigend, dass seine Frau Clara mit ihren Auftritten als Pianistin die Familie ernähren musste (und wollte).

Nach außen hin scheint die Musik den gängigen Regeln zu gehorchen, weil Schumann die traditionellen Formen wählt: In den Ecksätzen die Sonatensatzform mit ihrer Gegenüberstellung zweier Themen, in den beiden Mittelsätzen dreiteilige Formen. Aber unter der Oberfläche brodelt es, und nichts in dieser Musik ist nebensächlich oder gar entspannt. Alles scheinbar Eindeutige hat einen doppelten Boden: Das Hauptthema des ersten Satzes etwa – von der Geige vorgestellt – wirkt mit seinen breiten Notenwerten und den barocken Seufzerfiguren streng, erdig, fast archaisch. Doch die leidenschaftlich wirbelnden Klangwogen im Klaviersatz sorgen gleichzeitig für einen äußerst wackligen Untergrund. Ebenso labil ist das zweite Thema angelegt, mit seinen Synkopen und den kanonartigen Verschachtelungen. Die Musik steckt voll überraschender Wendungen: Immer wieder wandelt sich ihr Charakter blitzschnell – besonders eindrucksvoll in der Durchführung des ersten Satzes, wenn sich kraftvolle Wellen plötzlich in einen zarten Sternenregen verwandeln: Die beiden Streicher spielen dabei im dreifachen Piano ganz nahe am Steg (dadurch entsteht ein fahler, fast gläserner Klang), das Klavier begleitet in höchster Lage mit zarten Tupfern aus Triolen.
Im Finale deutet sich zum ersten Mal an, dass die Herzoperation auch gut ausgehen könnte: Zuversichtliche Töne klingen durch, auch triumphale – jedoch immer mit einer Prise Raunen und Dunkelheit kombiniert. "Mit Feuer" lautet Schumanns Spielanweisung – ein Feuer, das mitunter wohlig-wärmend ist
aber auch bedrohlich flackern kann.

Doris Blaich

Rund ein Vierteljahrhundert nach der Komposition seines ersten Trios op. 8 war ins Land gezogen, bis sich Johannes Brahms wieder der Gattung Klaviertrio zuwandte. Es ist der Sommer 1880, als Brahms den Kopfsatz zu seinem C-Dur-Trio schreibt. Obwohl er allein in diesem Satz bis zu sechs Themen verarbeitet, ist das Trio insgesamt auffallend kompakt gehalten. Die drei folgenden Abschnitte entstehen jedoch zwei Jahre später: ein langsamer Satz, der aus Variationen besteht, obwohl Brahms eine Bezeichnung wie "Andante con variazioni" meidet, ein fast gespenstisches Scherzo und ein am Ende triumphales Finale.
Clara Schumann zeigte sich rundum begeistert: "Welch ein prachtvolles Werk ist das wieder! [...] Jeder Satz ist mir lieb, wie herrlich sind die Durchführungen, wie blättert sich da immer ein Motiv aus dem anderen!" Die erste Aufführung erfolgte am 29. Dezember 1882 mit Mitgliedern des Joachim-Quartetts und Brahms am Klavier in Frankfurt.

(Quelle: WDR 3)

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