Nina Osina
Nina Osina

14. Juli 2019 um 11.30 Uhr

Solo - Matinée

 

Nina Osina, Violine

 

Johann Sebastian Bach Partita I h-Moll BWV 1002

Eugène Ysaye Sonate Nr. 5 "L'aurore"

Richard Barth Ciacona h-Moll op.21

 

Die erste der drei Solopartiten Bachs ist zugleich die strengste. Wie in der h-Moll-Sonate für Violine und Cembalo hat hier die Tonart ihre Spuren in Form und Ausdruck hinterlassen. Thema der Suite ist jener um die Quint kreisende Gedanke, den wir oben Bachs h-Moll-“Urthema” nannten. Am reinsten ist er in der Sarabanda zu hören, am stärksten verklausuliert in der Allemanda. In der Bourée (Tempo di Borea) ist er in ein rustikales Tanzthema aus Doppelgriffen verwandelt. Nur die Dreiklangsbrechungen der Corrente lösen sich weitgehend von dem Grundthema.

Auf jeden dieser vier Sätze folgt eine Double, eine Variation. Bach hat dieses Prinzip, einem Suitensatz eine variierte Fassung folgen zu lassen, sporadisch auch in den Englischen Suiten und in der 1. und 2. Orchestersuite angewandt, nirgends aber so konsequent wie in der h-Moll-Partia. In der Double wird die komplizierte Rhythmik des jeweiligen Tanzes in gleichmäßiges italienisches Laufwerk verwandelt. So entsteht in den vier Doppelsätzen ein rhythmisch fein abgestuftes Spektrum zwischen komplizierter Suitenmusik alla française und italienischem Violinstil.

(https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/79)

Die sechs Sonaten für Violine solo entstanden 1923/ 24 in Knokke-Heist, einem Seebad an der belgischen Nordseeküste. Ysaÿe schrieb mit ihnen nicht nur ein modernes Echo auf Bachs Musik, sondern auch eine Hommage an sechs Violinisten, die die Musik seiner Zeit definierten. Jede Sonate widmete er einem anderen, von ihm geschätzten Zeitgenossen, darunter natürlich Joseph Szigeti (Sonate Nummer 1); aber auch dem Belgier Mathieu Crickboom (Sonate Nummer 5), den er selbst ausgebildet hatte. Somit spiegeln sie nicht nur die Musik der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts wider, sondern auch die Persönlichkeit ihres Widmungsträger. In "L’aurore", übersetzt "Die Morgendämmerung", greift Ysaÿe auf viele Stilmittel zurück, die für die Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts typisch waren: Klänge jenseits harmonischer Grenzen und Töne, die zwar expressiv, aber auch zart und verletzlich sind – gespickt mit einer virtuosen Spieltechnik.

Katharina Höhne

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